Klassenvertrag zum Umgang mit Medien

Die Kölner Band Bukahara singt in einem Lied: „Schalte dein Handy aus – und wie fühlst du dich jetzt? Falls es dir langweilig wird: Genau vor Dir stehen Menschen.“ Das sind Themen, die die Gesellschaft heute bewegt, mit denen wir konfrontiert werden. Wir Eltern müssen Lösungen finden, wie wir unseren Kindern den Schutzraum geben können, damit sie sich in einem sozialen Miteinander entwickeln können. Dabei kann in der Schulzeit ein gemeinsamer Klassenvertrag oder auch eine freiwillige Selbstverpflichtung helfen.

Im folgenden Artikel möchte ich beschreiben, wie wir in unserer Klasse diese gemeinsam in der Elternschaft erarbeitet haben, und auf was es meiner Meinung nach bei der Umsetzung ankommt. Hier handelt es sich um einen Klassenvertrag einer Grundschulklasse und er richtet sich im wesentlichen an die Eltern der Schulkinder. Der Klassenvertrag selbst soll sich unserer Meinung nach mit den kommen Jahren weiterentwickeln und die kommenden Bedürfnisse der Kinder untereinander mit abdecken.

Warum ein Klassenvertrag?

Die letzten Jahre zeigen, dass der Medienkonsum wächst – ich erspare mir hier Statistiken über Alter und verbrachte Zeit vor und mit digitalen Medien. Gewaltbereitschaft steigt, mangels sozialer Kompetenz, weltweit steigt die Anzahl kurzsichtiger Kinder und Spielsucht ist eine anerkannte Krankheit. Zu Hause kann jeder selbst entscheiden, wie er in der Familie mit Medien umgehen will. In der Klasse werden unsere Kinder zum Opfer unbedarfter Eltern. Es ist unsere Aufgabe in der Klassengemeinschaft, während der Schulzeit und auf dem Schulgelände dafür zu sorgen, dass unsere Kinder sich altersgerecht entwickeln können. Ein gemeinsames Verständnis über den Umgang mit Medien in der Klasse kann helfen. Ein gemeinsames Verständnis über den Umgang mit Medien für die heranwachsenden Jugendlichen ist unabdingbar – aber dazu bestimmt irgendwann mehr in diesem Blog. Ich bin jedenfalls froh darüber, dass es keine Handyvideos zu bestimmten Situationen in meiner Jugend gibt….

Wie kommt ihr zu einem gemeinsamen Klassenvertrag?

Ein wesentlicher Aspekt für den Erfolg der Vereinbarung ist, dass die Elternschaft ein generelles Interesse dem Thema gegenüber hat und gemeinsam die Inhalte erarbeitet. Darum solltet ihr eure Absicht dann vorstellen, wenn alle Eltern anwesend sind.

Schlagt euer Vorhaben während eines Elternabends vor.
Ihr solltet das vorher mit dem Klassenlehrer abstimmen.
Es wird auch in der ersten Klasse schon Eltern geben, die sich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt haben und vielleicht eine kritische Haltung haben. Im optimalen Fall hat die Schule vielleicht ein Medienkonzept, auf das ihr euch beziehen könnt. Ihr werdet dann erste Eindrücke gewinnen, wie die Elternschaft generell auf das Thema eingeht.
Wir haben in unserer Klasse den Luxus, dass Elternabende relativ oft stattfinden. Ist das nicht der Fall, könntet ihr vorschlagen, die Inhalte eines Klassenvertrages in einem extra Termin zu erarbeiten oder aber den Klassenlehrer bitten Zeit während des nächsten Elternabend einzuplanen. Der Klassenlehrer muss bei der Erarbeitung der Inhalte aber nicht unbedingt anwesend sein.
Was ich auch empfehlen würde: Es gibt einige Referenten, die sich genau mit dem Thema beschäftigen und die für Schulen oder Klassen buchbar das Thema einmal präsent machen.
Eine unabhängige Person sollte über den sinnvollen Umgang mit Medien referieren.
Stellt unbedingt sicher, dass die Botschaft für die Grundschulklassen weitestgehend die Medienabstinenz ist – sonst könnte es ein böses Erwachen für euer Vorhaben geben.
Wenn ihr euch mit dem Thema auseinandersetzt, dann könnt ihr die Rolle des Moderators für den Termin übernehmen, in dem ihr mit den Eltern gemeinsam die Inhalte des Klassenvertrags erarbeiten wollt. Wir haben in einer kleinen Arbeitsgruppe mit vier Eltern das Thema inhaltlich vorbereitet, durch den Abend geführt und den Vertrag schriftlich aufgesetzt.
Begleitet den Prozess aktiv als Moderator am besten in einem kleinen Team.
Und dann wird es spannend, wie weit ihr zusammen geht. Ich gehe davon aus, dass es eine Diskussion über den Namen der Vereinbarung geben wird. Der Begriff Vertrag wird als zu verpflichtend begriffen und könnte manche Eltern irritieren. Alternativ könnt ihr es auch Vereinbarung oder eine freiwillige Selbstverpflichtung nennen.
Ich gehe davon aus, dass ihr den Begriff Medien definieren wollt. Denn selbst ein Buch könnte für lesende Kinder als Medium nicht altersgerecht sein, aber mindestens bei Hörspielen, Radio und Musik werden schon die ersten Meinungsverschiedenheiten auftauchen.
Definiert gemeinsam was unter dem Begriff Medien gemeint ist.
Was passieren kann, ist, dass die Eltern nicht kreativ genug sind um auf die Bestandteile zu kommen, die eurer Meinung nach in den Vertrag gehören. Ihr solltet also sozusagen als „Backup“ die jetzt beschrieben Vorschläge dabei haben.

Mögliche Bestandteile des Vertrags

Für Grundschulkinder könnte die Erarbeitung der Vertragspunkte leicht sein, wenn sich alle Eltern auf eine Medienabstinenz einigen könnten. Das wird aber nicht der Fall sein – versprochen! Um einen breiten Konsens zu finden, sollten die Vereinbarungen weich formuliert sein. Eine kurze Einleitung über den Sinn und die Absicht sollte vorangestellt sein. Die folgenden Punkte könnten so oder so ähnlich Bestandteil des Vertrags werden.


Vereinbarung der Eltern der 3. Klasse der … Schule … zum Umgang mit Medien

Motivation

Die nachstehende freiwillige Selbsterklärung ist aus einer Arbeit der Elternschaft entstanden und soll als Grundlage für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema „Altersgemäßer Medienumgang und gesunde Entwicklung“ dienen.

Wir wollen unseren Kindern im Sinne der Waldorfpädagogik während ihrer Schulzeit gemeinsam mit unserer Klassenlehrerin, Frau …., einen Schutzraum schaffen, indem sie ungestört und sinnentfaltend lernen können. Ein besonderes Anliegen ist uns hierbei das soziale Miteinander und die entwicklungsgerechten Aktivitäten.

Aus diesem Grunde vereinbaren wir in unserer 3. Klasse* für das Schuljahr 2018 / 2019 folgende Regeln im Umgang mit neuen Medien:

1) In der Schule, während des Unterrichts und der Pausen, auf dem Schulweg

Während der Unterrichtszeiten und der Pausen sollen Störungen und Ablenkungen durch multimediale Geräte ausgeschlossen werden.

Deshalb verpflichten wir uns dazu, Sorge zu tragen, dass unsere Kinder keine Mobiltelefone, internetfähige Geräte und weitere multimediale Geräte, Spielkonsolen u.ä., mit in die Schule nehmen.

Wir stimmen zu, dass Kinder in Ausnahmefällen für den Weg zur bzw. von der Schule ein Mobiltelefon im ausgeschalteten Zustand mitführen dürfen. Dabei handelt es sich um Geräte ohne multimediale Zusatzfunktionen (z.B. ohne Kamera oder Internetfunktion). 

2) Bei „halbprivaten“ Veranstaltungen mit Klassencharakter (Kinder-geburtstag, …)

Wir gestalten diese Anlässe aus dem Miteinander und grundsätzlich ohne Nutzung von elektronischen Medien (Kinobesuche, Computerspiele, Filme schauen …)

Ausnahmen hiervon bedürfen der ausdrücklichen Zustimmung der Erziehungsberechtigten aller beteiligten Kinder.

3) Im privaten, familiären Bereich

Aus der Erkenntnis heraus, dass dadurch die Grundlagen für spätere Medienkompetenz gelegt werden, wollen wir auch im privaten, familiären Bereich unseren Kinder ein echtes, reales Erfahrungsumfeld schaffen indem wir:

  • grundsätzlich zurückhaltend sind mit dem Konsum von elektronischen Geräten für unsere Kinder
  • die Kinder in einer Gesellschaft des unbedachten Medienkonsums stärken (Stichwort: „Statussymbol“)
  • uns unserer Vorbildfunktion bewusst sind

* Diese Regeln sollen jedes Jahr neu überarbeitet und dem Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden.

Wir werden uns aktiv an der Gestaltung dieser Regelungen beteiligen und diese in regelmäßigen Abständen einer Überprüfung im Rahmen eines Elternabends unterziehen.

Wir werden in der Klassen-Elternschaft weiterhin im Austausch zum Thema Mediennutzung bleiben.


Noch einmal: Es ist wichtig, dass die Elternschaft weitgehend das gleiche Verständnis hat und die Punkte im Vertrag teilt. Wenn das nicht der Fall sein sollte, ist das Unternehmen Klassenvertrag aber nicht gescheitert.

Was, wenn nicht alle mitmachen wollen?

In unserer Klasse weiß ich von Eltern, die zwar Befürworter der Vereinbarung sind, aber durchaus nicht immer nach den Regeln handeln. Was ich aber bei der Arbeit mit Sicherheit gut einschätzen kann ist, welche Eltern welche Einstellung zum Thema Medien haben. Und ich weiß, wer die Vereinbarung befürwortet und wer nicht. Ich weiß auf wen ich mich verlassen kann und ich kennen die Familien, die ähnliche Ansichten haben wie ich. Und genau das ist der große Mehrwert für mich, weil ich mich darauf einstellen kann und ich mich darauf verlassen kann.

Im Sinne der Band Bukahara und ihrem Liedtext hoffe ich also, dass es in der Grundschulzeit gar kein Handy gibt, das augeschaltet werden kann und, dass die Kinder fleißig lernen miteinander zu raufen, spielen und diskutieren!

Ich freue mich über Kommentare und Anregungen von euch! 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

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